ODER WIE DU DEINEN DOSENÖFFNER ZU EINEM PERFEKTEN FUTTERSKLAVEN ERZIEHST

Geschmäcker sind verschieden

Mein Vorgänger soll ja vielleicht ein Feinspitz gewesen sein: Rahmfisolen hat der gleich reindlweise verputzt. Ich bin ja mehr ein Fan solider Hauskatzkost und muß gestehen, daß ich bei der Erziehung in Sachen Futter bei meiner Menschin noch nicht so wirklich erfolgreich war. Die kann ein ganz schön stures Luder sein. Andererseits ist sie sonst so entgegenkommend und von Kopf bis Pfote auf Katze eingestellt, daß ich bei diesem Thema wohl ein wenig nachgiebig bin.

Zuerst einmal ist meine Menschin mehr eine Sackerlschlitzerin als eine Dosenöffnerin, ich bevorzuge eindeutig gatschiges Yummie. Da kann ich mich nicht beschweren, meine Menschin sorgt immer schon für viel Abwechslung. Und wenn mir ein Sackerl mal nicht so schmeckt, versuch ich, mein kläglichstes Gesicht aufzusetzen. Manchmal kann ich sie erweichen und sie serviert was anderes. Meist aber ignoriert sie meinen ausgehungerten, vorwurfsvollen Blick und dann geb halt ich nach…
Wie schon gesagt, ist Menschenfutter generell nicht meins. Ausnahmen bestätigen die Regel: Ißt meine Menschin Hühnchen, kann ich nicht widerstehen. Auch Gouda laß ich mir gern auf der Zunge zergehen und ziehe diesen sogar einem Stückchen Schinken vor, wenn beides zugleich serviert wird. Naschkatze bin ich keine – wiewohl als Betthupferl so ein knuspriger Kakerlak was Leckeres ist. Aber seitdem man diese Burg, in dem unser Katzenheim liegt, so restauriert hat, daß selbst der Keller aussieht, wie der Operationsraum bei meinem Tierarzt, sieht´s mit Kakerlaken und anderen Betthupferln mager aus…

Naja, Ihr seht schon, was Fressen anbelangt, bin ich nicht sehr anspruchsvoll. Wichtiger ist mir, daß ich Futter kriege, sooft mir danach ist. Worauf ihr aber unbedingt achten müßt: Euer Futter darf nicht aus dem Eiskasten kommen! Sollte Euch eiskaltes Fressen serviert werden, werft Euch sofort zu Boden und markiert Bauchweh. Scharrt neben dem Freßnapf verächtlich mit den Pfoten, so als wolltet Ihr den Frostfraß vergraben. Als Steigerung könnt Ihr noch ein, zwei Happen zu Euch nehmen und diese unter herzzerreissenden Klagelauten gleich darauf wieder Euren Menschen vor die Füße würgen. Das sollte helfen…

Eine tolle Einrichtung hat meine Menschin für mich installiert, da ich nicht gerne aus meinem Futternapf trinke – zwei Katzenbrunnen. Einer steht gleich neben meinem bevorzugten Plätzchen für´s Mittagsschläfchen am Fenster. In einer weiten Schale liegen große, bunte Steine, die meine Menschin von Reisen mitgebracht hat. Aus einem sprudelt das Wasser, das über die anderen Steine plätschert. Der zweite Brunnen murmelt im Schatten eines großen Baumes und besteht aus einem großen und vielen kleinen glitzernden Steinen. Da macht das Trinken viel mehr Spaß, weil man dabei gleich ein wenig herumplantschen kann – im Sommer eine herrliche Erfrischung.

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