Friday, Jun 17, 2005
Kommunikatzion
Eine der anspruchvollsten pädagogischen Herausforderungen unsereins ist das Sprachtraining unserer Futtermutter – gilt natürich auch für -väter. Das kostet Blut, Schweiß & Tränen (soll einmal ein berühmter Katzensklave gesagt haben, Catchill oder so ähnlich hieß der).
Damit sich Deine Sklavin an Deine Stimme gewöhnt, empfiehlt es sich, daß Du ständig mit ihr plauderst. Besonders in der Nacht – hab ich mal wo gehört – wirkt die Kommunikatzion nachhaltig und zielt diretissima ins Unterbewußtsein Deiner Menschin.
Mit dem Schlafen ist das ja so eine Sache – fast so, als würde Deine Menschin für ein paar Stündchen verreisen. Das ist natürlich lästig. Es empfiehlt sich daher, Dich auch nächtens immer wieder in Erinnerung und Deine Sklavin aus ihrer Abwesenheit zurückzurufen.
Diese Aufgabe kannst Du mit einem gesundheitlichen Aspekt für Deine Menschin verbinden. Während sie schlafen, kriegen unsere Zweibeiner eindeutig zu wenig Frischluft. Dies erkennst Du auch gut an den schnarchenden Geräuschen, die sie manchmal von sich geben. Nix wie raus – heißt die Devise. Gib zum Wohl Deines Dosenöffners vor, Du müßtest vor der Tür dringend nach dem Rechten sehen. Kaum dort angekommen (Du denkst natürlich nicht dran, zu den kuscheligsten Stunden das Haus zu verlassen) bleibst Du halb in der Tür stehen und philosophierst über Katz & die Welt. Erst wenn Du den Eindruck hast, Deine Menschin habe nun genug frische Luft intus, spazierst Du wieder zurück zum Bett. Deine Sklavin wird es Dir danken (dies aber natürlich niemals zugeben)…
Bin schon wieder vom Thema abgekommen, ich wollte Euch ja erklären, wie man unseren Futtersklaven ein paar Grundbegriffe aus unserer Katzensprache beibringt.
Hunde haben uns vorgemacht, wie man Menschen perfekt trainiert und einen Zweibeiner namens Pawlow zu Höchstleistungen angespornt. Nicht nur, daß er ihnen regelmäßig Futter servierte, er läutete dazu auch noch eine Glocke. Schließlich hatten sie ihn soweit, daß er bereits die Glocke läutete, wenn sie nur Appetit hatten und ihnen das Wasser im Maul zusammenlief.
Naja, das ist vielleicht ein wenig übertrieben – wir wollen schon zufrieden sein, wenn unsere Menschen die einfachsten Befehle verstehen (und befolgen“).
Ich erklär Euch das mal am Beispiel Futterbeschaffung, meiner Menschin habe ich dazu das Wörtchen “Hapsi” beigebracht – und ich muß sagen, sie ist sehr gelehrig.
Methode 1:
Folge Deiner Sklavin auf Schritt & Tritt (man kann´s nicht oft genug wiederholen!). Sobald sie sich Deinem Vorratsraum nähert, beginne aufgeregt zu gurren. Drin angekommen, beginne unmißverständlich an jenem Teil zu kratzen, wo sie Dein Yummie versteckt. Bei intelligenten Zweibeinern sollte diese Methode schon fast schon genügen – schnell haben sie kapiert, daß dieses gewisse Gurren kombiniert mit sehnsüchtigen Blicken Richtung Vorratskammer (Menschen nennen diese meist „Küche“) eine Auffordung zur Futterbereitung darstellt.
Sehnsüchtig habe ich gesagt – und zwar mit voller Absicht. Ein herausfordernder Blick wäre fehl am Platz und könnte bei Menschen mit ausgeprägten Charakteren zu Widerstand führen oder den Verdacht erwecken, sie selbst wären Objekt der Erziehung. Der Weg des geringsten Widerstands führt über kindliches, schutzbedürftiges Verhalten & entsprechende Blicke! Dies solltet Ihr Euch als eine Grundregel hinter die Ohren schreiben!
Nun bedarf es nur noch der geduldigen Übung, Ursache & Wirkung umzukehren. Während zu Anfang der Übung Ihr Eurer Sklavin folgt, sollte es schon bald gelingen, daß Eure Sklavin Euch folgt, sobald Ihr zu gurren beginnt.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß die klügeren unter den Dosenöffnern bei der Futterzubereitung mit Euch sprechen. Meist murmeln sie immer wieder die gleichen Worte. Ihr solltet Euch nun gut merken, welches Wort dabei häufig verwendet wird. Bei meiner war es “Hapsi”. Also habe ich sie genau darauf trainiert: Immer wenn meine Menschin “Hapsi” sagte, flitzte ich zur Küche an den Futternapf – und vice versa: Sobald ich zur Küche flitze, sagt sie “Hapsi”.
Wenn das nicht ein perfektes Ergebnis unseres Sprachtrainings ist…
Methode 2:
Wie ich schon angedeutet habe („intelligente Zweibeiner“) sind nicht alle Menschen so schnell lernfähig, wie meine Dosenöffnerin.
Aber auch hier kann Abhilfe geschafft werden. Wir setzen auf die bereits erwähnte Erziehungstheorie der Ablenkung. Ihr erinnert Euch: Menschen glauben ja, daß sie uns durch Ablenkung (insbesondere Fressen & Spielen) Verhalten abgewöhnen können, welche aus (einfältiger) menschlicher Sicht schlechte Gewohnheiten darstellen.
Ihr wißt schon, worauf ich hinauswill: Sobald Ihr Hunger verspürt, saust zum guten Sofa und bearbeitet dieses mit den Krallen. Eure Sklavin wird blitzartig Richtung Küche traben, eine Dose öffnen & servieren. Sie wird sich jedesmal mehr beeilen, Futter zu liefern, um Euch zuvorzukommen, bis ihr schließlich nur mehr in die Nähe des Sofas schlendern müßt und schwupp! springt die Futtersklavin in die Küche…
Ich persönlich kratze ja immer wie ein Tiger, sobald ich mich über irgendetwas freue. Wiewohl ich einen halben Baum in meinem Heim zum Kratzen hab, ist er leider nicht dort plaziert, wo ich mich am meisten freue – eben vor der Küche. Deshalb müssen die Sessel dort dran glauben. Nachdem meine Menschin diese neuerdings so plaziert hat, daß ich mich dran nicht mehr körperlich ertüchtigen kann, mußte ich auf die Riesenpalme ausweichen. Es wäre klug von ihr, den halben Baum vor der Küche zu plazieren, bevor die Palme schlapp macht.
Aber ich bin sicher, das wird sie bald kapieren…
Das war ja noch eine einfachere Übung, da Menschen prinzipiell nichts dagegen haben, uns zu füttern. Schwieriger wird´s schon, wenn wir auf Dingen bestehen, die uns nicht ganz freiwillig gewährt werden. Da hilft es nur, eiserne Konsequenz zu beweisen.
So bestehe ich z.B. auf meinem täglichen Jagdausflug – leider keine Wiesen & Wälder weit und breit, dafür aber eine riesige Burg, in deren Keller sich leckere Kakerlaken tummeln. Ich sag nur „Stiefel the Cockroach-Killer“…
Aus unerfindlichen Gründen gibt es jedesmal eine mittlere Krise, wenn ich wieder mal raus will. Da helfen keine subtilen Maßnahmen, da gibt´s nur eine Lösung: Schrille, langgezogene Klagelaute – wenn´s sein muß stundenlang, bis die Lichter der Nachbarfenster angehen.
Ist zwar keine sehr elegante Methode, aber sie wirkt.
Von meinem Vorgänger habe ich eine interessante Variante gehört: Er hatte bemerkt, daß er immer dann vor die Tür gesetzt wird, wenn er den Freund seiner Menschin ins Wadl hackte – der war angeblich allergisch gegen unsereins. Muß ich weiter erzählen?
Wie Du dabei vorgehst – ob mit sanfter Überredungskunst oder brutaler Gewalt – liegt natürlich an Deinem Temperament…
Ein bißchen mühsamer wird´s schon, unseren Menschen einzelne Worte beizubringen. Meine ist auch dabei sehr gelehrig und beherrscht schon eine ganze Reihe von Begriffen, wie Hapsi, Lepschi, Mausi, Hopp, Vitamin-Mausi, Flugmausi, Bettsi… Hört genau zu, welche Worte Euer Zweibeiner verwendet, wenn er mit Euch spricht.
Als mir meine Menschin nach einem Ausflug so ein kleines Fellding mitbrachte, sagte sie „Mausi“ und warf es in weitem Bogen weg. Ich habe dies sofort für Lernzwecke benützt und ihr fortan immer das „Mausi“ gebracht, sobald sie dieses Wort aussprach. Genauso trainierst Du Deinen Zweibeiner auch auf andere Ausdrücke. Wichtig dabei ist, die Übungen stetig zu wiederholen. Diese Erkenntnisse kann man auch wunderbar nützen, um unseren Menschen kleine Kunststückchen beizubringen – lies nach im entsprechenden Kapitel.
Als kleines Dankeschön für ihre Gelehrigkeit mach ich ihr die Freude und respektiere, wenn sie „Nein“ sagt – zumindest, wenn es um untergeordnete Themen geht. Mir tut´s nicht weh und meine Menschin freut sich wie eine Katzenkönigin. Nur beim Thema „Jagdausflug“ kenn ich kein Pardon, da nützt auch kein noch so strenges „Nein“.