Friday, May 27, 2005
Wer die Wahl hat…
Hmmm, lecker. Tja, aber bis Dein Mensch mal soweit ist, praktisch auf Miau die feinsten Leckereien zu servieren – nun, wie schon gesagt… Um einen richtig katzgemütlichen Hausstand zu gründen, bedarf es im Idealfall – erraten! – eines Zweibeiners.
Ich hab mir von meinen Ahnkatzen sagen lassen: Ob Mensch oder Menschin ist dabei Geschmackssache. Aus bester eigener Erfahrung kann ich Euch ein Weibchen nur wärmstens empfehlen. Warum, das liegt auf der Pfote: Bei Weibchen sind die Instinkte, Babies zu füttern, zu hegen & zu pflegen eindeutig besser entwickelt. Womit ich schon beim zweitwichtigsten Tipp bin – bleib ein Baby, so lange Dir das Dein Mensch abkauft. Dein Verhalten bei allen Erziehungsmaßnahmen muß unbedingt – so widersprüchlich dies klingen mag – kindlich, tolpatschig und schutzbedürftig wirken. Mach große, kugelrunde Augen, gib klägliche Laute von Dir – beharre aber mit eiserner Konsequenz auf Deinen Vorhaben. Wenn Du das beherrscht, können Dir Deine Menschen – üblicherweise – kaum einen Wunsch abschlagen.
Also die richtige Auswahl unseres zukünftigen Dosenöffners ist nicht zuletzt eine Frage des Temperaments (unseres klaro) und der Ausgangsposition. Viele von uns können sich ihre zukünftigen Yummiegeber in einem Katzenheim aussuchen. Dort ist es zwar sehr lustig mit den vielen anderen Katzingers, aber es mangelt doch sehr an der nötigen menschlichen Aufmerksamkeit (zu diesem wichtigen Punkt noch später).
Prioritäten setzen
Ich gehöre ja zu den eher gemütlichen Vertretern meiner Spezies und obwohl mein bevorzugter Tagesablauf aus Fressen-Schlafen-Fressen-Schlafen-Fressen-Spielen-Beutezug-Fressen-Schlafen besteht, hätte ich doch wenig Freude mit einer Schlaftablette als Futtersklavin. Das war mir natürlich von Anfang an klar. Ich habe daher alle Aspirantinnen genau beobachtet und so meine Strategie geplant. Stell Dir vor, Du mußt dringend spielen oder fressen und Deine Futtermutter schläft vielleicht grade – oder ist zu faul, Dir die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Hundeleben!
Schlaftablette versus Wirbelwind
Um also die richtige Wahl zu treffen, gibt es eine ganz einfache Regel: Action, Action & nochmals Action! Schlafen kannst Du in der Nacht, wenn keine Bewerber kommen!!! Ist ganz einfach – ich habe das getestet: Eine Schlafmütze geht schnurstracks an Dir vorüber, und sucht sich einen faden Katzinger (selber schuld!), hingegen erregst Du mit maßvoller Aktivität & jugendlicher Dynamik die Aufmerksamkeit von potentiellen Dosenöffnern, die engagiert, motiviert & aktiv sind, und die zu keiner Tages- & Nachtzeit müde werden, Dir zu dienen.
Interessiert sich allerdings ein offensichtlich dynamischer Mensch für Dich, der Dir nicht sympathisch ist, so hilft sofortiges Totstellen. Laß Dich auf der Stelle umfallen, streck alle viere von Dir und vergewissere Dich – aus den Augenschlitzen heraus – wann die Luft wieder rein ist.
Liebe auf den ersten Blick
Das Kennenlernen mit meiner Futtermutter lief so ab: Den ganzen Tag waren schon Zweibeiner am Fenster unseres Katzenzimmers vorbeigeschlurft (elegante Bewegungen sind ja nicht gerade eine hervorstechende Eigenschaft der Menschen). Plötzlich fiel mir ein weibliches Exemplar auf. Nun – eigentlich waren es ihr Gang und ihre Augen, die meine Aufmerksamkeit erregten: Energisch ihr Schritt, neugierig und aufgeweckt ihr Blick.
Die oder keine, dachte ich.
Blitzschnell auf das Fensterbrett meines Katzenzimmers gesprungen, am anderen Ende mit einem eleganten Salto wieder runter (naja, nicht ganz freiwillig, diese doofen Bretter sind aber auch sowas von rutschig) und katzschnell zur Tür in die Pole Position, für den Fall, daß sie hereinkommen würde. Tatsächlich – kaum war sie drin, ging sie in die Hocke – ich war überwältigt, hin & weg sozusagen. Genau mein Typ und dazu noch eine diplomierte Dosenöffnerin. Woran ich das erkannte? Wenn sie gleich in die Knie gehen und sich sozusagen auf unsere Höhe herablassen, dann habt ihr es mit Katzprofis zu tun, die sich mit unsereins schon ein wenig auseinandergesetzt haben oder bereits durch einen erfahrenen Katzinger trainiert wurden.
Also mit einem eleganten Satz auf ihren Schoß – und geschnurrt, was das Zeug hält. In diesem zukunftsentscheidenden Augenblick gilt es, die Erwartungshaltung der Zweibeiner zu erfüllen: Menschinnen (Menschen auch, hab ich mir sagen lassen) wollen von unsereins immer nur das Eine – Streicheleinheiten. Genau das müßt Ihr jetzt vermitteln: Setzt Euren hingebungsvollsten Blick auf, schmeißt Euch so richtig ran – und die Sache ist schon fast geritzt.
Apropos geritzt – miautsch!!!
Bevor Ihr Euer neues Katzenparadies requiriert, gilt es, einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen – ich sage nur ¿Safer Cats“: Menschen sind ja bei weitem nicht so reinlich wie wir Katzingers! Laßt also die lästige Piekserei vor dem Verlassen des Tierheims tapfer über Euch ergehen – wir wollen uns bei den Zweibeinern schließlich keine pestigen Seuchen einfangen…