Friday, May 06, 2005
Gestatten, Stiefel!
Wie wohlerzogen & ergeben meine Dosenöffnerin ist (erraten, meine ist ein Weibchen), beweist die Tatsache, daß sie mir diesen Blog eingerichtet hat. Wahrscheinlich denkt sie, daß ich hier einen langweiligen “Wie-fange-ich-Fliegen“-Blog betreiben werde oder ähnliche Trivialitäten… Weit gefehlt!
WER´S GLAUBT…
Nachdem mir immer wieder zu Ohren kommt, wie kläglich so manche Katzingers in der Erziehung ihrer Menschen versagen, habe ich mich entschlossen, diesen Ratgeber zu diktieren – tippen war mir mit meiner Zwei-Pfoten-Methode einfach zu mühsam. Außerdem – und das ist gleich mein erster und wichtigster Erziehungstipp – lassen wir die Zweibeiner ruhig in dem Glauben, sie seien die überlegene Spezies, sozusagen die Krone der Schöpfung.
Das hat sich seit Jahrtausenden bewährt und sichert uns ein geruhsames Dasein. Stellt Euch bloß vor, die Menschen wüßten, was wir alles wissen können! Ständig würden sie uns in den Ohren liegen, tu dies, tu jenes…
Merkt Euch also: Was Ihr hier lest, bleibt unter uns Katzingers!
BILDUNG IST DAS GEHEIMNIS
Gleichzeitig kann ich Euch nur dringend ans Herz legen: Bildung ist das Geheimnis unseres Überlebens! Haltet Euch immer auf dem Laufenden, versäumt keine Nachrichten, lest heimlich, was immer Euch in die Pfoten kommt – und betreibt Catworking, was das Zeug hält. Ich hab´s da leicht: Meine Menschin besitzt einen Computer, der rund um die Uhr läuft, viele Mail-Adressen und eine Menge interessanter HomePages, wo ich immer was Neues lernen kann. Das sind natürlich ideale Bedingungen für einen Kater von World (Wide Web).
Während sie am Computer arbeitet, tu ich immer so, als wär mir das gar nicht recht und lege mich auf ihre Unterarme, damit sie nicht soviel herumzappelt oder ich gebe vor, mir am Monitor den Bauch zu wärmen. In Wahrheit beobachte ich natürlich genau, was am Bildschirm passiert, studiere, was mich interessiert, lese, was sie anderen Zweibeinern über uns Katzen schreibt und maile rund um die Welt während sie schläft…
Entdecke ich eine interessante Sendung in dem anderen Flimmerkasten, der gleich neben dem Computer steht, sitze ich aufmerksam davor – und putze mich scheinbar gelangweilt. Natürlich verstehen wir Katzingers jedes Wort & sind auch des Lesens mächtig (wozu sonst würde ich diesen Ratgeber unter´s Katzenvolk bringen).
PFOTENSPITZENGEFÜHL…
Wenn sie das alles wüßte, wäre ich sicher bereits als Sekretär beschäftigt und würde wie sie rund um die Uhr schuften. Nun, das ist definitiv nicht Sinn unseres Katzenlebens – schließlich haben wir die Zweibeiner ja nicht domestiziert, damit sie uns auf Trab halten. Meiner Ansicht nach machen sich die Menschen ja mit sogenannter Arbeit nur wichtig, anstatt rund um die Uhr für unser Wohlergehen zu sorgen.
Ich habe allerdings bemerkt, daß es den Zweibeinern offenbar ein dringendes Bedürfnis ist, sich den kuriosesten Beschäftigungen zu widmen. Dies scheint auch meist positiv auf ihr Wohlbefinden zu wirken. Ergo laß ich meiner – als psychologisch versierter Kater – das Vergnügen, solange es nicht ausartet und unser Zusammenleben beeinträchtigt. …
UND PSYCHOLOGIE
Ich muß zugeben, daß ich mit meiner Futtersklavin bisweilen sehr nachsichtig bin. Vermutlich liegt das daran, daß ich an ihr einen Narren gefressen habe. Sie hat von Haus aus die Charakterzüge einer liebevollen Katzenmutter – akzeptiert allerdings, daß ich der Herr im Haus bin.Das war natürlich nicht immer so. Auch ich mußte einige Erziehungsarbeit leisten, bis meine Futtersklavin die Regeln eines gemütlichen Katzhaushaltes perfekt beherrschte. Ich kann Euch nur empfehlen, dieses Thema nicht zu unterschätzen – die Mühe lohnt sich. Habt Ihr einmal die Zügel aus den Krallen gegeben, ist es schwierig, wieder die Oberpfote zu erlangen…
VON WEGEN…
Ihr seht also schon, will man ein rechtes Katzenparadies auf Erden, bedarf es einiger sorgfältig geplanter Strategien und pädagogischen Feingefühls. Dabei kommen uns die zahlreichen undercover schreibenden Katzingers zu Hilfe, die als Ratgeber für unsere Erziehung getarnte Catseller unters zweibeinige Volk bringen. Darin wird als oberste Maxime der Katzenerziehung postuliert, man müsse uns von “schlechten Gewohnheiten” bloß ablenken – durch Fressen oder Spielen…
Ha! Genau diese Schriften sollen aber in unsere Pfoten spielen und stellen die Grundlage unserer Bemühungen um wohlerzogene Dosenöffner. Dazu kommen wir noch…